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Hund Aktivität

Gelenkgesundheit beim älteren Hund: beweglich bleiben, Schmerzen ernst nehmen

Dein Hund zögert vor der Treppe, steht langsamer auf oder dreht auf der früher geliebten Runde um. Das kann mit schmerzhaften Gelenken zusammenhängen, muss aber nicht. Eine gute Abklärung schafft die Grundlage für passende Bewegung, wirksame Schmerzlinderung und einen Alltag, in dem dein Hund möglichst selbstständig und mit Freude unterwegs bleibt.

11 FachquellenRedaktioneller Stand
Ein goldenfarbener Hund mit heller Schnauze geht an der Leine neben einer Person auf einem ebenen Weg am See.

Arthrose ist mehr als ein älteres Gelenk

Arthrose ist eine chronische Erkrankung des gesamten Gelenks. Dabei verändern sich unter anderem Knorpel und gelenknahe Strukturen; Entzündung und Schmerzen können die Bewegung beeinträchtigen. Sie betrifft nicht ausschliesslich Senioren. Frühere Verletzungen oder orthopädische Erkrankungen können bereits bei jüngeren Hunden den Weg bereiten. [1]

Mögliche Zeichen sind Steifheit nach Ruhe, Lahmheit, Mühe beim Aufstehen, weniger Aktivität und Schwierigkeiten mit Treppen oder Sprüngen. Auch ungewohnte Reizbarkeit kann mit Schmerzen zusammenhängen. [1] Schau auf vertraute Situationen: Steht dein Hund noch auf, wenn Besuch kommt? Wechselt er häufig die Liegeposition? Vermeidet er einen rutschigen Flur? Konkrete Veränderungen sind ein besserer Gesprächseinstieg als die Vermutung, er sei einfach «alt geworden».

Plötzliche Schwäche ist keine normale Alterserscheinung

Auch eine plötzlich stark schmerzhafte Lahmheit oder das vollständige Entlasten eines Beins braucht eine rasche Beurteilung. Nach einem Unfall oder bei deutlicher Allgemeinstörung sollte das sofort geschehen. Eine bereits bekannte Arthrose erklärt nicht automatisch jede neue Bewegungseinschränkung. Beschreibe beim Anruf, was neu ist, seit wann es besteht und ob dein Hund selbstständig aufstehen kann. [3]

Was die Untersuchung klären soll

Zur orthopädischen Untersuchung gehören die Beobachtung des Gangs und die Prüfung von Gelenken und umgebenden Strukturen. Röntgenbilder können Veränderungen und mögliche Ursachen sichtbar machen. Bei bestimmten Befunden sind weitere Untersuchungen nötig, etwa zusätzliche Bildgebung oder eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit. Welche davon sinnvoll sind, entscheidet sich anhand des konkreten Problems. [3]

Bring kurze Videos vom Aufstehen und vom ruhigen Gehen mit, möglichst von der Seite und von hinten. Filme eine normale Situation, ohne den Hund für die Aufnahme zusätzlich zu belasten. Notiere auch frühere Verletzungen und alle Medikamente. Deine Alltagsbeobachtungen ergänzen die Untersuchung, gerade wenn der Hund in der Praxis aufgeregt ist oder sich anders bewegt als zu Hause.

Der Behandlungsplan beginnt mit erreichbaren Zielen

Chronischer Schmerz wird regelmässig beurteilt, behandelt und erneut überprüft. Ein guter Plan verbindet mehrere passende Massnahmen und orientiert sich daran, wie der Hund im Alltag zurechtkommt. Standardisierte Fragebögen können helfen, Veränderungen vergleichbarer festzuhalten. [2]

01Ausgangslage

Welche Bewegung fällt schwer? Wie gelingen Ruhe und Schlaf?

02Passende Hilfe

Behandlung, Alltag und Bewegung aufeinander abstimmen.

03Gemeinsam prüfen

Wird ein konkretes Alltagsziel leichter? Was muss angepasst werden?

Ein Ziel könnte sein, wieder entspannt bis zum nahen Park zu gehen. Es muss nicht die frühere Bergtour sein.

Regelmässige Bewegung, angepasst an diesen Hund

Bei stabiler Arthrose gehört angemessene Aktivität zum langfristigen Management. Die Belastung wird an Erkrankungsstadium, Kondition und Reaktion angepasst. Ruhiges Gehen auf gut begehbarem Untergrund ist oft leichter zu dosieren als Ballwerfen mit abrupten Stopps oder wildes Toben. Vermeide plötzliche grosse Steigerungen. [4]

Besprich einen individuellen Ausgangspunkt und beobachte, wie dein Hund währenddessen, später am Tag und nach der nächsten Ruhephase zurechtkommt. Mehr Lahmheit oder deutliche Erschöpfung sind Anlass, den Plan zu prüfen. Bei einer akuten Verletzung kann vorübergehend eine andere Belastungsregel gelten.

Physiotherapie kann passende Übungen vermitteln. Lass dir Ausführung und Abbruchzeichen zeigen. Instabile Unterlagen, Stangenübungen, Dehnungen oder Wassertraining sind nicht automatisch für jeden Senior geeignet. Wärme, Kälte und Massage sollten ebenfalls zur Diagnose passen. [4]

Die Wohnung mit Blick auf sichere Wege gestalten

Rutschfeste Laufwege, passende Liegeplätze und geeignete Hilfen beim Einsteigen können den Alltag erleichtern. Schau zuerst dorthin, wo dein Hund täglich Schwierigkeiten hat. Die Senior-Leitlinie der AAHA nennt unter anderem Matten, Rampen, geeignete Betten und passend gepolsterte Hebehilfen als mögliche Anpassungen. [11]

  1. Den häufigsten Weg sichern

    Verbinde Liegeplatz, Wasser und Ausgang mit Unterlagen, die nicht selbst wegrutschen oder Falten werfen.

  2. Eine schwierige Höhe vereinfachen

    Wähle nach Beratung eine stabile, geeignete Einstiegshilfe. Übe in Ruhe und ohne den Hund hinaufzuziehen.

  3. Ruhen und Aufstehen beobachten

    Ein Bett sollte bequem und gut erreichbar sein. Prüfe, ob dein Hund darin sicher die Position wechseln und wieder aufstehen kann.

Beginne mit dem grössten Hindernis. Du musst nicht an einem Tag die ganze Wohnung verändern. Eine Hilfe lohnt sich dann, wenn dein Hund sie tatsächlich sicher nutzt.

Ein schwarzer Hund mit grauer Schnauze geht neben einer Person über einen grauen Läufer; daneben liegt ein niedriges Hundebett.
Im Alltag

Ein durchgehender Läufer und ein niedriger Liegeplatz richten den Blick auf die täglichen Wege.

Bei Übergewicht hilft ein realistischer Ernährungsplan

Zusätzliche Körpermasse belastet die Gelenke. Eine kleine prospektive Studie untersuchte 14 übergewichtige Hunde mit Arthrose und fand nach Gewichtsabnahme eine Verbesserung der Lahmheit. Die Untersuchung war offen und hatte keine parallele unbehandelte Kontrollgruppe. Sie unterstützt Gewichtsmanagement als Teil der Behandlung, begründet aber weder eine garantierte Wirkung noch den Verzicht auf Schmerzmittel. [5]

Lass Körperkondition und Muskelmasse beurteilen. Nicht jeder ältere Hund sollte abnehmen; ungewollter Gewichts- oder Muskelverlust braucht eine eigene Abklärung. Bei Übergewicht sind ein passendes Ziel, eine bedarfsgerechte Ration und regelmässige Kontrollen sinnvoll. [4]

Praktisch hilft eine vollständige Futterliste: Hauptfutter, Trainingsbelohnungen, Kauartikel und Tischreste. Verteile vereinbarte Extras aus einer abgemessenen Tagesportion. Sprich Schwierigkeiten offen an, etwa wenn mehrere Menschen füttern. Ein kleiner, dauerhaft umsetzbarer Schritt ist hilfreicher als eine kurzfristige strenge Diät ohne Plan.

Schmerzbehandlung mit klaren Sicherheitsregeln

Tierärztlich verordnete entzündungshemmende Schmerzmittel können bei Arthrose wirksam sein. Vor Beginn werden Vorerkrankungen und andere Präparate besprochen; Blut- oder Urinuntersuchungen können vor und während der Therapie nötig sein. Vereinbare, welche Kontrollen für deinen Hund vorgesehen sind. [7]

Bei Erbrechen, Appetitverlust, schwarzem Kot oder auffälliger Veränderung des Trinkens unter einem nichtsteroidalen Entzündungshemmer: nicht weitergeben und umgehend tierärztlich Rücksprache halten. Kombiniere solche Mittel nicht selbst mit weiteren Entzündungshemmern oder Kortison. [7]

Auch Antikörper gegen bestimmte Schmerzsignalwege können infrage kommen. Sie sind nicht nebenwirkungsfrei. Für Bedinvetmab wurden unter anderem neurologische Auffälligkeiten und Veränderungen beim Harnabsatz gemeldet. Solche Meldungen allein bestimmen weder die Häufigkeit noch beweisen sie in jedem Fall die Ursache; sie gehören aber in eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und Verlaufskontrolle. [9]

Was Nahrungsergänzungen leisten können – und was offenbleibt

Für bestimmte mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Futtermittel liegen kontrollierte Studien bei Hunden mit Arthrose vor. In einer randomisierten, verblindeten Untersuchung berichteten Halter bei einigen Alltagsfunktionen über Verbesserungen gegenüber der Kontrollgruppe. Untersucht wurde ein konkretes Futterkonzept über mehrere Monate; das Ergebnis lässt sich nicht ohne Weiteres auf jedes Öl oder jede Kapsel übertragen. An der Publikation waren auch Mitarbeitende eines Futtermittelherstellers beteiligt. [8]

Besprich Zusätze zusammen mit dem gesamten Futter- und Medikamentenplan. Zusätzliche Kalorien, Verträglichkeit und die tatsächlich enthaltenen Wirkstoffmengen zählen mit. Ein Ergänzungsprodukt sollte eine nötige Schmerzbehandlung oder Untersuchung nicht verzögern.

Woran ihr merkt, ob der Plan wirklich passt

Beurteile nicht nur, ob dein Hund weiter läuft. Ruhiger Schlaf, leichteres Aufstehen, entspannte Begegnungen und Interesse an seiner Umgebung gehören ebenfalls zum Alltag. Wähle wenige wiederkehrende Situationen und halte sie vor und nach einer Änderung fest. Wenn die Praxis einen Schmerzfragebogen verwendet, fülle möglichst dieselbe Person ihn unter ähnlichen Bedingungen aus. [2]

Vereinbare einen festen Kontrolltermin. Melde fehlende Wirkung, Nebenwirkungen oder eine neue Verschlechterung vorher. Bring auch zur Sprache, was organisatorisch schwierig ist. Ein Plan darf angepasst werden: an den Hund, an neue Befunde und an das, was du zuverlässig leisten kannst. Gute Betreuung eines Seniors bedeutet, seine Bedürfnisse immer wieder neu zu prüfen.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Mein Hund winselt nicht. Kann er trotzdem Schmerzen haben?

Ja. Bei Arthrose können Steifheit, weniger Aktivität und Schwierigkeiten beim Aufstehen im Vordergrund stehen. Fehlendes Winseln schliesst Schmerz nicht aus. [1]

Soll ich meinen Hund möglichst vollständig schonen?

Bei stabiler Arthrose meist nicht dauerhaft. Die passende Bewegung wird individuell festgelegt. Eine akute Verletzung oder neurologische Störung kann vorübergehend andere Regeln erfordern. [4]

Kann ein älterer Hund überhaupt Schmerzmittel bekommen?

Das Alter allein entscheidet nicht. Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente, Untersuchungsergebnisse und Kontrollmöglichkeiten bestimmen, welches Mittel geeignet ist. [7]

Ist eine Besserung unter Behandlung schon die Heilung?

Nein. Arthrose bleibt meist eine langfristige Aufgabe. Mehr Wohlbefinden ist ein wichtiges Ergebnis, doch Bewegung, Behandlung und Kontrollen müssen weiterhin zum Hund passen. [1]

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Quellen und weiterführende Literatur

Die Ziffern im Text führen zu den passenden Einträgen. Ein Teil der Originalquellen ist auf Englisch; einzelne Volltexte können zugangsbeschränkt sein. Die Jahresangabe bezeichnet die Publikation oder eine ausgewiesene Aktualisierung. «o. J.» bedeutet: kein eindeutiges Jahr festgestellt.

  1. Fachinformation

    Osteoarthritis

    Cornell University College of Veterinary Medicine · 2025

    Gelenkerkrankung, Schmerzzeichen, Risikofaktoren und langfristiger Verlauf.

  2. Leitlinie

    2022 AAHA Pain Management Guidelines for Dogs and Cats

    American Animal Hospital Association · 2022

    Wiederholte Schmerzbeurteilung, alltagsbezogene Ziele und Anpassung eines kombinierten Behandlungsplans.

  3. Fachinformation

    Osteoarthritis in Dogs

    American College of Veterinary Surgeons · o. J.

    Orthopädische Ursachen und Untersuchung, Röntgen und gegebenenfalls weitere Diagnostik.

  4. Leitlinie

    COAST Development Group’s international consensus guidelines for the treatment of canine osteoarthritis

    COAST Development Group; Frontiers in Veterinary Science · 2023

    Stadienangepasste Bewegung, Rehabilitation, Gewicht und individuelle Therapie; Empfehlungen beruhen teilweise auf Expertenkonsens.

  5. Studie

    The effect of weight loss on lameness in obese dogs with osteoarthritis

    Marshall et al.; University of Glasgow / Veterinary Research Communications · 2010

    Offene prospektive Studie mit 14 übergewichtigen Hunden: Lahmheit nach Gewichtsabnahme gebessert, begrenzte Übertragbarkeit.

  6. Fachinformation

    Get the Facts about Pain Relievers for Pets

    U.S. Food and Drug Administration · o. J.

    Risiken menschlicher Schmerzmittel und ungeprüfter Übernahme fremder Tiermedikamente.

  7. Fachinformation

    Controlling Pain and Inflammation in Your Dog with Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs

    U.S. Food and Drug Administration · o. J.

    Voruntersuchung, Verlaufskontrollen, Nebenwirkungen und Verhalten bei Verdacht auf unerwünschte Wirkung.

  8. Studie

    Multicenter veterinary practice assessment of the effects of omega-3 fatty acids on osteoarthritis in dogs

    Roush et al.; Journal of the American Veterinary Medical Association · 2010

    Randomisierte verblindete Futterstudie: Verbesserungen einzelner Halterbeurteilungen; keine allgemeine Produkt- oder Regenerationsgarantie.

  9. Fachinformation

    Dear Veterinarian Letter notifying veterinarians about adverse events reported in dogs treated with Librela (bedinvetmab injection)

    U.S. Food and Drug Administration · o. J.

    Behördlich ausgewertete Meldungen neurologischer und urologischer Ereignisse unter Bedinvetmab; individuelle Abwägung erforderlich.

  10. Fachinformation

    Intervertebral Disc Disease

    American College of Veterinary Surgeons · o. J.

    Neurologische Warnzeichen, Geh- und Harnabsatzstörungen sowie Dringlichkeit bei Rückenmarksschädigung.

  11. Leitlinie

    Pain Management – 2023 AAHA Senior Care Guidelines for Dogs and Cats

    American Animal Hospital Association · 2022

    Sichere Wohnumgebung: Rampen, rutschfeste Unterlagen, geeignete Liegeplätze und Hebehilfen.

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